Die VBL ist die größte Zusatzversorgungskasse des öffentlichen Dienstes. Ihr Kerngeschäft umfasst im Bereich der Pflichtversicherung, der VBLklassik, die Durchführung der betrieblichen Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenversorgung für die Beschäftigten der beteiligten Arbeitgeber. Das Versicherungs- und Leistungsrecht beruht auf dem Tarifvertrag über die betriebliche Altersversorgung für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes (Tarifvertrag Altersversorgung – ATV). Bei Eintritt des Versicherungsfalls zahlt die VBL den Berechtigten eine monatliche Betriebsrente. Die VBLklassik wird im Tarifgebiet West im Abschnittsdeckungsverfahren über Umlagen und Sanierungsgelder (Abrechnungsverband West), im Tarifgebiet Ost im Wege der Mischfinanzierung über Umlagen (Abrechnungsverband Ost/Umlage) und Beiträge zur Kapitaldeckung (Abrechnungsverband Ost/Beitrag) finanziert.

Daneben bietet die VBL mit der freiwilligen Versicherung die Möglichkeit, zusätzlich eine kapitalgedeckte betriebliche Altersversorgung aufzubauen. Im Abrechnungsverband freiwillige Versicherung verwaltet die VBL die Produkte VBLextra und VBLdynamik. Mit der VBLextra können neben einer Altersrente, je nach Wahl, das Erwerbsminderungsrisiko und/oder die Hinterbliebenen mit abgesichert werden. Der garantierte Rechnungszins unterscheidet sich jeweils in den Tarifen VBLextra 01 bis 04. In dem aktuell für den Neuzugang offenen Tarif VBLextra 04 beträgt der garantierte Rechnungszins 0,25 Prozent. Die für den Neuzugang geschlossene fondsgebundene Rentenversicherung VBLdynamik ist als Beitragszusage mit Mindestleistung ausgestaltet. Neben einer Altersrente können dort je nach Vereinbarung ggf. auch Hinterbliebene eine Leistung beanspruchen. Die Leistungen aus der freiwilligen Versicherung werden grundsätzlich als monatliche Betriebsrente ausgezahlt. Wahlweise ist, im Gegensatz zur VBLklassik, auch eine (Teil-) Kapitalauszahlung möglich.

Die VBL verwaltet zur Finanzierung der Leistungen Kapitalanlagen in Höhe von über 58 Milliarden Euro. Die Verwaltung des Vermögens erfolgt über gesonderte Abrechnungsverbände. Die Grundsätze der Anlagepolitik beziehen sich auf die Abrechnungsverbände Ost/Umlage und West, Ost/Beitrag und freiwillige Versicherung. Bei allen Anlageaktivitäten müssen die grundsätzlichen Kapitalanlageziele Sicherheit, Rentabilität, Liquidität und Qualität erfüllt sein. Dabei ist sicherzustellen, dass den Zahlungsverpflichtungen nachgekommen werden kann. Hierzu werden die Kapitalanlagen breit gemischt und Konzentrationsrisiken möglichst vermieden.

Anlageziele.

Für jeden Abrechnungsverband werden separate Anlageziele definiert und verabschiedet. Sie bilden die Grundlage für die Anlagepolitik der Abrechnungsverbände der VBL. In den umlagefinanzierten Abrechnungsverbänden Ost/Umlage und West ist die Anlagepolitik derart zu gestalten, dass eine negative Buchwertrendite vermieden und ein möglichst hoher Beitrag aus Kapitalerträgen erzielt wird. Außerdem soll der Umlagesatz planmäßig eingehalten werden. In den kapitalgedeckten Abrechnungsverbänden ist die dauerhafte Erfüllbarkeit der Verpflichtungen zu gewährleisten. Darüber hinaus sind in der freiwilligen Versicherung die aufsichtsrechtlichen Solvabilitätsanforderungen einzuhalten.

Prozessabläufe der Anlagestrategie.

Die VBL verfolgt einen strukturierten und transparenten Anlageprozess. Die Prozessschritte der Anlagestrategie-Entwicklung und der Anlagestrategie-Implementierung sind organisatorisch getrennt und im Prozessablauf vorangestellt. Diese klare Trennung lässt dennoch zu, dass wesentliche Prozessbausteine ineinandergreifen und dass die Implementierung auf die strategische Anlagepolitik zurückwirkt. Als Beispiel seien in der Implementierung ausgearbeitete Anlagevorschläge genannt, die das in der strategischen Anlagepolitik betrachtete Anlageuniversum ergänzen und erweitern können.

Entwicklung der Anlagestrategie.

Die Basis der Strategieentwicklung bilden das Verständnis und die Modellierung der Risiken, die mit dem Kerngeschäft der VBL verbunden sind. Das Kerngeschäft der VBL ist die Übernahme von Risiken der Versicherten aus den Ereignissen Alter, Erwerbsminderung und Tod. Die VBL geht hierfür Verpflichtungen gegenüber ihren Versicherten ein. Die Risiken der Verpflichtungsseite werden dabei nicht isoliert betrachtet. Im Rahmen des Asset-Liability-Managements werden sie in einer Gesamtschau zusammen mit denjenigen Risiken betrachtet, die sich aus der Anlage des Vermögens an den Kapitalmärkten ergeben.

Im Anlageprozess der VBL werden Kapitalanlagerisiken bewusst und durch die Vorgabe einer Risikodeckungsmasse in kontrollierter Weise eingegangen. Außerdem werden Kapitalanlagerisiken durch Diversifikation grundsätzlich gemindert. Die Risikodeckungsmasse begrenzt das Risiko, das die VBL mit der Anlage ihres Vermögens an den Kapitalmärkten eingehen kann. Die Aufteilung der Kapitalanlagen auf die verschiedenen Anlageklassen erfolgt derart, dass die langfristig erwartete Portfoliorendite mit Blick auf die Anlagerestriktionen und die vorhandene Risikodeckungsmasse optimiert wird. Hierfür werden Zielwerte und Bandbreiten festgelegt. Die aktuellen Kapitalanlagen dürfen innerhalb der Bandbreiten von den Zielwerten abweichen. Diese Aufteilung des Vermögens wird strategische Anlagepolitik genannt und erfolgt mindestens einmal im Jahr pro Abrechnungsverband. Bereits bei dieser Festlegung der strategischen Ausrichtung des Portfolios wird der Nachhaltigkeitsansatz der VBL berücksichtigt.

Die Auswahl externer Asset Manager und Kapitalverwaltungsgesellschaften, die die Anlagepolitik der VBL in den weiteren Phasen des Anlageprozesses umsetzen, wird ebenfalls als Bestandteil der langfristigen Anlagestrategie verstanden und erfolgt mit Blick auf das Gesamtportfolio des jeweiligen Abrechnungsverbandes

Implementierung der Anlagestrategie.

Die Anlageimplementierung der VBL hat die Aufgabe, die strategische Anlagepolitik für jeden Abrechnungsverband umzusetzen. Damit die Anlageimplementierung über die nötige Flexibilität verfügt, um auf kurzfristige Chancen an den Kapitalmärkten reagieren und durch temporäre Über- und Untergewichtung von Anlageklassen die Performance des Portfolios steigern zu können, wird eine taktische Anlagepolitik für jeden Abrechnungsverband abgeleitet. Deren Zielwerte dürfen von denen der strategischen Anlagepolitik innerhalb vorgegebener Bandbreiten abweichen. Die zulässigen taktischen Abweichungen werden dabei durch die pro Abrechnungsverband definierte Risikodeckungsmasse und die regulatorischen und internen Anforderungen begrenzt. Taktische Allokationsabweichungen können ihre Ursache in einem Unterschied zwischen der kurzfristigen und langfristigen makroökonomischen Perspektive haben. Die Analyse dieser kurzfristigen Perspektive findet in der Anlageimplementierung statt und wirkt in ihrer langfristigen Variante auf die Strategieentwicklung zurück. Die konkrete Umsetzung der ermittelten Marktsicht erfolgt in den Portfolien unter Berücksichtigung der regulatorischen und internen Anforderungen sowie unter den definierten Nachhaltigkeitsaspekten.

Bei der Umsetzung der Anlagepolitik nutzt die VBL vielfach die Expertise externer Asset Manager und Kapitalverwaltungsgesellschaften. Durch den Einsatz von Investmentfonds profitiert die VBL in mehrfacher Hinsicht. Zum einen bieten diese Partner vertiefte Fachkompetenz (bspw. bei der Analyse von Wertpapieren), zum anderen verfügt die VBL neben dem internen Risikomanagement damit über eine weitere Ebene zur Überwachung der Anlagen. Die Kontrolle der externen Asset Manager und die Überprüfung der Einzeltitelauswahl sind ein fortlaufender Bestandteil des Anlageprozesses, der im Nachgang zur Investition stattfindet.

Die Entwicklung neuer Anlageideen und die Ausarbeitung neuer Anlagevorschläge finden wiederum Berücksichtigung in der Ausarbeitung der strategischen Anlagepolitik durch die Anlagestrategie-Entwicklung.

Nachhaltigkeit.

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Kapitalanlage ist Teil der treuhändischen Verantwortung im Sinne der Versicherten und Arbeitgeber. Die VBL versteht Nachhaltigkeit im Sinne von ESG (Environment Social Governance – Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung). Um Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen und gleichzeitig langfristige Erträge erwirtschaften zu können, verfolgt die VBL in der Kapitalanlage eine Nachhaltigkeitsstrategie, die auf vier Bausteinen beruht:

  • ESG-Integration
  • Implementierung von Ausschlusskriterien
  • Engagement
  • Impact Investments

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten ist in der gesamten Kapitalanlage essentieller Bestandteil der strategischen Anlagepolitik der VBL. Dabei ist der Klimawandel eines der dringlichsten Kernthemen.

  • ESG-Integration bedeutet, dass die VBL in ihrer Analyse einzelner Investitionen im Rahmen der strategischen und taktischen Allokation sowie über den ganzen Vermögensanlageprozess hinweg systematisch ESG-Aspekte berücksichtigt. Die Integration basiert dabei auf einer stetigen Verbesserung der Identifikation, Analyse und Messbarkeit von Nachhaltigkeitsrisiken. Die VBL betrachtet Nachhaltigkeitsrisiken nicht als separate Risikoart, sondern als Faktor, der zur Wesentlichkeit anderer Risikoarten wie zum Beispiel dem Kreditrisiko und dem Marktrisiko beiträgt. Mit der ESG-Integration wird der Versuch unternommen, Nachhaltigkeitsrisiken zu verringern. Durch die Integration von ESG-Kriterien in den Investitionsprozess werden Nachhaltigkeitsrisiken quantifiziert. Auf diese Weise kann eine kontinuierliche Zielentwicklung im Einklang mit finanziellen Prämissen realisiert werden. Zudem finden ESG-Kriterien in der Auswahl von und bei der Zusammenarbeit mit externen Asset Managern besondere Berücksichtigung. Die Implementierung von Ausschlusskriterien und das Engagement sind weitere Teilaspekte der ESG-Integration.

  • Durch die Implementierung von Ausschlusskriterien werden Aktien und Anleihen im gesamten Portfolio der VBL ausgeschlossen, wenn deutliche Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Emittenten schwere und systematische Verstößen gegen die Menschenrechte begehen und/oder die durch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definierten Kernarbeitsnormen verletzen. Ein solcher Ausschluss gilt ebenso für Emittenten, die Waffen herstellen oder mit ihnen handeln, welche Gegenstand völkerrechtlicher Verträge zum Verbot oder der Beschränkung solcher Waffen sind, bei denen die Bundesrepublik Deutschland Vertragspartner ist. Damit werden im Einklang mit der Ächtung unterschiedlicher Waffensysteme durch die Vereinten Nationen Emittenten für oben genannte Investitionen exkludiert, die Streumunition und Antipersonenminen sowie Bio- und Chemiewaffen herstellen oder mit ihnen handeln. Ein solcher Ausschluss gilt auch für Produzenten bestimmter konventioneller Waffen, die gemäß UN-Waffenübereinkommen übermäßige Leiden verursachen oder unterschiedslos wirken können. Darüber hinaus schließt die VBL Neuinvestitionen in Unternehmen aus, die über ein überwiegend kohlebasiertes Geschäftsmodell verfügen. Bereits bestehende Investments in Unternehmen mit überwiegend kohlebasierten Geschäftsmodellen werden bis zum Ende des Jahres 2025 zurückgeführt. Die Implementierung von Ausschlusskriterien zielt darauf ab, Nachhaltigkeitsrisiken zu vermeiden.

  • Das Engagement ist darauf ausgerichtet, Nachhaltigkeitsrisiken zu verändern. Aktionäre sind Miteigentümer eines Unternehmens und verfügen somit über Mitbestimmungsrechte. Im Rahmen des Engagementansatzes der VBL werden vorzugsweise Belange aus den Bereichen Umwelt, Klima, Soziales und Unternehmensführung adressiert. Ziel ist es, bei im Portfolio befindlichen Unternehmen mit kritischen Geschäftsaktivitäten den Einfluss als Aktionär zu nutzen, um diese in direktem Dialog zu einer nachhaltigen und verantwortlichen Wirtschaftsweise zu bewegen. Eines der Schwerpunktthemen ist dabei der Klimaschutz. Dies steht im Einklang mit den Zielen des Weltklimagipfels der Vereinten Nationen 2015 in Paris, zu denen sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet hat.

  • Mit dem Investmentkonzept Impact Investments verfolgt die VBL das Ziel, eine langfristig sichere Altersvorsorge mit der Lösung gesellschaftspolitischer und umweltbezogener Herausforderungen zu verbinden. Erreicht wird dies durch Investitionen in Projekte, die einerseits eine adäquate Rendite erbringen und gleichzeitig eine gezielte sowie messbare positive ökologische und/ oder soziale Wirkung entfalten. Innerhalb des Anlageportfolios ist die Umsetzung zum Beispiel durch gezielte Maßnahmen im Immobilienportfolio sowie durch zielgerichtete „Green and Social Bonds“ möglich. Weitere Anlagemöglichkeiten werden zurzeit überprüft. Gezielte Impact Investments sollen dazu beitragen, Nachhaltigkeitsrisiken sowohl zu verringern als auch zu verändern.

Risikomanagement.

Die VBL geht Risiken nur dann ein, wenn sie mit der eigentlichen Geschäftstätigkeit und den damit verbundenen Zielen untrennbar verbunden und somit nicht zu umgehen sind. Die in Verbindung mit der taktischen Anlagepolitik auftretenden Risiken der Kapitalanlagen werden durch ein für jeden Abrechnungsverband individuelles Risikotragfähigkeitskonzept bewertet. Im Rahmen der Berechnung der Risikotragfähigkeit wird dazu das vorhandene Risikodeckungspotential bestimmt und die Risikodeckungsmasse, die zur tatsächlichen Abdeckung der Kapitalanforderungen der Risiken verwendet wird, festgelegt. Andererseits werden aus der Risikotragfähigkeit für einzelne berücksichtigungsfähige Risikokategorien und ebenso auf aggregierter Ebene Verlustobergrenzen (Limite) abgeleitet. In der Risikosteuerung verwendet die VBL diese Limite. Als Frühwarnindikator für die einzelnen Limite wird deren aktuelle Auslastung im realisierten Portfolio herangezogen. Darauf aufbauend sind zur Risikobegrenzung verschiedene Eskalationsstufen anhand von Schwellenwerten definiert, die konkrete Handlungsmaßnahmen auslösen.

Regulatorische Vorgaben.

Die Anlage der Vermögenswerte der freiwilligen Versicherung bestimmt sich nach den für regulierte Pensionskassen geltenden Regelungen des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Versicherungsaufsichtsgesetz – VAG) sowie der dazugehörigen Verordnung über die Anlage des Sicherungsvermögens von Pensionskassen, Sterbekassen und kleinen Versicherungsunternehmen (Anlageverordnung – AnlV). Die Anlageverordnung regelt insbesondere die zulässigen Anlageformen und die jeweils maximalen Investitionsquoten. Diese sollen eine ausgewogene Mischung über die Anlageklassen und -instrumente sowie die Streuung der Schuldner gewährleisten. Für die Kapitalanlage im Bereich der Pflichtversicherung gibt § 60 Absatz 4 der VBL-Satzung den rechtlichen Rahmen vor. Danach sind auf das Kapitalanlagevermögen nach § 60 Absatz 4 Satz 1 VBL-Satzung die § 124 Abs. 1 und § 234h VAG sowie die Anlageverordnung mit folgenden Maßgaben anzuwenden: Bei § 124 Abs. 1 Satz 2 Nummer 3 zweiter Halbsatz und § 234h Abs. 1 VAG sind die Besonderheiten der Finanzierungsverfahren der VBL sowie die Belange der VBL zu berücksichtigen. Für jeweils höchstens 10 Prozent des Kapitalanlagevermögens im Versorgungskonto I und im Versorgungskonto II ist die Anwendung der Anlageverordnung auf deren § 2 beschränkt.

 

Die Informationspflichten nach §§ 134b, 134c Aktiengesetz sind gesondert auf der Internetseite der VBL „Informationen für die freiwillige Versicherung über die Ausübung von Aktionärsrechten“ veröffentlicht.

 

Der hauptamtliche Vorstand                                                                                              5. Januar 2022